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Wortkunst in London

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Dass ausrangierte dreidimensionale Werbebuchstaben als Kunst recycelt werden können, zeigt Jack Pierson mit seinen Wort- und Satzarbeiten, die aus solch gefunden Buchstaben zusammengesetzt sind. Auf der diesjährigen Frieze Art Fair in London (15.-18. Oktober 2004) war von ihm »You Rotten Prick« zu sehen.

Auf der Londoner Kunstmesse gab es noch ein paar weitere wort- bzw. sprachbasierte Kunstwerke, die interessant waren. So hatte Tracy Emin beispielsweise einen schönen Satz auf ein grosses Stück Stoff genäht: »Why should I protect myself from you when you are the one who protects me« (Providence, 2004, bei White Cube/Jay Joplin), auch wenn die textile Stofflichkeit selbst nicht so spannend war.

Von Carl André gab es bei Sadie Cole Sonette. Auf einhundert, im Jahr 1963 mit der Schreibmaschine beschrifteten Blättern, war jeweils ein Wort mehrfach als Typoblock geschrieben, »blue« stand sieben mal in Reihe nebeneinander ohne Leerzeichen und zugleich 14 mal in Zeilen untereinander. Weitere Farbwörter (»black«, »violett«), Begriffe für Körperteile (»belly«, »shoulder«) oder Wörter wie »rock«, waren je nach Buchstabenzahl des Worts fünf bis sieben mal in Reihe geschrieben (99 Blatt + eine Titelseite).

David Shrigley war mit mehreren Arbeiten vertreten, in einer Arbeit, in der insgesamt acht farbig-bemalte Holzbrettchen mit einfachen groben Pinselstrichen beschriftet waren, wünschte oder suchte oder forderte er auf einer dieser kleinen Tafeln »Lots of Fun«, während eine andere wehleidig-ironisch mit »I lost my job because I was drunk« daher kam.

Paul Ramírez Jonas hatte mit kleinen Plastikfähnchen, die an einer Schnurr aufgereiht waren, den Stand seiner Galerie LFL aus New York, geschmückt. Auf den Fähnchen waren Bilder, Daten und die Namen von Hurrikanen bzw. Tornados gedruckt. Ein Exemplar eines solchen Fahnenbands mit ein paar Metern Länge aus einer unlimitierten Auflage war sehr günstig und ist bestimmt prima für jede Art von imaginärer Untergangsparty in Amerika geeignet. Wie die Namen von Hurrikanen vergeben werden, erklärt die NASA übrigens ausführlich auf einer ihrer Bildungs-Webseiten: How are Hurricanes Named?

Daniel J. Martinez zeigte unter dem Titel »If only God Had Invented Coca-Cola sooner or The Death of my Pet Monkey« eine Mappe mit sechs farbigen Siebdrucken, schwarze oder rote Buchstaben auf grellem Untergrund mit Sätzen wie »This funeral is for the wrong corpse«, »We are dogs in love with our own vomit« oder »Beneath the asphalt the beach«. Diese Textstücke scheinen alle mehr oder weniger Fundstücke aus vergangener Sponti- oder Punkzeit zu sein, aus »Pavement« wurde im zuletzt zitierten Satz zwar Asphalt, doch »Unter dem Pflaster: der Strand« bleibt als Referenz klar erhalten.

Eine komplexe Neonbuchstaben-Installation (»Untitled«. 2004) von Jason Rhoades und auch die Arbeit von Mark Wallinger aus dem Jahr 1995 mit drei unter dem Titel »Seeing is Believing« nebeneinander gehängten Leuchtkästen, bei denen der mittlere Kasten den ersten Satz des Johannes-Evangeliums (»In the beginning was the word and the word was with God and God was the word«) in einer Typografie wie beim Augenarzt und die beiden anderen Kästen farbige Kreise wie bei einer Schießscheibe angeordnet zeigten, waren leider trotz enormer Leuchtkraft ein wenig blass.

Es gab eine zweite Kunstmesse im Londoner Zoo, die Zoo Art Fair. So vielversprechend der Ausstellungsort zunächst klang, so langweilig war es am Ende an den meisten Ständen. Keine Skulpturen im Raubtierhaus oder Gemälde über Seehundbecken, was meine spontanen Vorstellungen zu dem Ausstellungsort waren. Die Kunst hatte ihren Platz in zwei Veranstaltungsgebäuden des Zoologischen Gartens gefunden. Von manchem gar als Alternativmesse bezeichnet, war im Zoo nichts alternativ: Malerei und Fotos für die Wände und Objekte für den Boden, halt nur jüngere Galerien die jüngere Künstler vertraten. Jamie Shovlin hatte hier bei Riflemaker aus »Ways of Seeing«, John Bergers kleinem kunstwissenschaftlichen Klassiker, ein Diptychon gemacht. Die von ihm als Ausgangsmaterial verwendete Ausgabe stammte aus einer Hochschulbibliothek. Alle Textzeilen, die nicht von Kunstgeschichtsstudenten markiert oder mit Bemerkungen versehen waren, hatte er mit dicken schwarzen Linien durchgestrichen.

 

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