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Wörter des Jahres

Langsam trudeln die Wörter und Unwörter des Jahres ein. Nach den Wörterwettbewerben »das schönste deutsche Wort« (Goethe Institut) und »das schönste englische Wort« (British Council) begann Merriam-Webster Ende November als erstes mit der Veröffentlichung herausragender Wörter 2004. Das im letzten Jahr am häufigsten in der Online-Version des Wörterbuchs nachgeschlagene Wort war Blog, die Kurzform für Weblog. Ein besseres Wort für einen großen PR-Erfolg hätte es wohl nicht geben können. Kaum war es veröffentlicht, da zitierten es tausende Blogs weltweit und verlinkten zum Wörterbuch, dessen Redaktion das Wort nun auch in der kommenden Printausgabe aufnehmen will. Üblicherweise dauert es ungefähr zwanzig Jahre bis ein neues Wort ins Wörterbuch kommt, Blog hat nur fünf dafür gebraucht. Doch gleichzeitig gehört das Wort auch schon wieder zu den Wörtern, die in Zukunft weniger oder gar nicht mehr benutzt werden sollten, zumindest nach der List of Words Banished from the Queen's English for Mis-Use, Over-Use and General Uselessness. Diese ebenfalls jährliche Wortliste versammelt Wörter, die wegen falscher oder übermäßiger Nutzung oder gar wegen allgemeiner Nutzlosigkeit aus Sicht der Autoren aus dem Sprachgebrauch gestrichen werden sollten. Alles begann damit, dass im Jahr 1976 der Pressebeauftragte der Lake Superior State University, ein Herr W.T. Rabe, eine Liste mit Wörtern zusammenstellte, die ihm für den weiteren Gebrauch nicht mehr passend erschienen. Seitdem veröffentlicht die Hochschule regelmäßig ihre Wortwahl und Menschen aus aller Welt schicken Vorschläge, welche Wörter ihrer Meinung nach aus der englischen Sprache zu verbannen seien -- ein fast dreissig Jahre altes Archiv gibt einen historischen Überblick.

Neben Blog, das von manchem Einsender lieber als »Journal« oder als »Diary« gesehen würde, wurden dieses Jahr ausgewählt: »Carbs« (»low carbs, high carbs, no carbs«), der Starkfühl-Slogan und Titel der Donald Trump-Fernseh-Show »You're fired!«, das Slang-Suffix »izzle«, der Euphemismus »Wardrobe Malfunction«, der entstand nachdem Janet Jacksons Kleid life im amerikanischen Fernsehen verrutschte und ihren Busen freigab, und das aus dem deutschen übernommene Präfix »über« für alles große und herausragende, welches wohl wirklich übermäßig eingesetzt worden zu sein scheint.

Nicht alle mögen diese »List of Banished Words«, Mitglieder der American Dialect Society bevorzugen die eigene, seit 1991 geführte Word of the Year-Liste, die mit den Unterteilungen »Word (or Phrase) of the Year« (most significant), »Most Useful«, »Most Creative«, »Most Unnecessary«, »Most Outrageous«, »Most Euphemistic« sowie noch drei weiteren erheblich differenzierter ist.

Auch Marketingstrategen der Nahrungsmittelindustrie haben erkannt, dass bestimmte Begriffe besser weggelassen und durch andere ersetzt werden sollten (New York Times: Diet Drinks Get Aliases). Das Wort »diet« ist out, »free« ist in, FREI von Zucker oder auch von was anderem klingt einfach viel besser als sich dauernd und möglicherweise sogar ein wenig leidend bei jedem Limonaden-Schluck der Frage des aktuellen Diät-Erfolgs ausgesetzt zu sehen. Frei ist gleich viel leichter und frischer.

In Deutschland, wo der Wörter-Jahresrückblick durch die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. dokumentiert wird, wurde »Hartz IV« zum Wort des Jahres 2004 gekürt, gefolgt von »Parallelgesellschaften«, »Pisa-gebeutelte-Nation«, »gefühlte Armut«, »Ekelfernsehen«, »Praxisgebühr«, »Ein-Euro-Job«, »aufgestellt«, »Rehakles« sowie »& mehr«. »And more« war eigentlich immer zu wenig für eine gute Kommunikation, ziemlich einfallslose Wortkombinationen wie »miles & more« oder »time & more« werden in deutscher Schreibweise wie beispielsweise »Fahrscheine & mehr« auch nicht besser.

Die häufigsten Suchanfragen des Jahres hat Google wie üblich im Pressebereich unter »Zeitgeist« als internationale Übersicht zusammengefasst. Die häufigsten Suchbegriffe aus Deutschland waren »routenplaner« (Bloß weg!), »wetter« (Wie wird das Wetter, wo wir hin wollen?), »telefonbuch« (Was ist, wenn wir doch anrufen müssen?) ... »chat«, »bild« und drei Stars bildeten das Mittelfeld ... Platz 9 und 10 erreichten »aldi« und das »arbeitsamt«.