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Mein Wort ist nicht im Wörterbuch

Merriam Webster als einer der wichtigsten amerikanischen Wörterbuchverlage macht sich mit der Online-Version seines Wörterbuchs ein schönes Vergnügen. Leser, sprich: Besucher der Seite sind aufgefordert, ihre Lieblingswörter einzureichen, die nicht im Wörterbuch stehen. Aus mehreren tausend Einreichungen zumeist selbstgemachter Wortschöpfungen wurde eine Top-Ten-Liste gebildet. Auswahlkriterium war die Häufigkeit der eingereichten Wortvorschläge.

Im Gegensatz zu den Protonymen von The Word Company, die auch nicht im Wörterbuch stehen, handelt es sich bei den Einreichungen um englische Neologismen. Die meisten davon sind einfache Zusammenziehungen wie das Wort snirt für »schmutziger Schnee« (aus »snow« und »dirty«) oder chillax für »das entspannte Herumhängen mit Freunden« (zu »chill out« und »relax«). Etwas stärker scheint da noch slickery für »eine nasse vereiste Oberfläche«. Beim Spiel um Neologismen erstaunt es nicht, dass Eintrag Nr. 10 der aktuellen Liste einen lingweenie nennt, »eine Person, die nicht in der Lage ist, Neologismen zu bilden«.

Auf einer weiteren Seite, die über oben genannte zu erreichen ist, sind Beispiele früherer Einreichungen thematisch nach Gruppen sortiert zusammengestellt. Es scheint ein Bedürfnis zu geben, Begriffe zwischen bestehenden Begriffen zu bilden, ob es dafür jedoch in der täglichen Sprachpraxis einen Bedarf gibt, bleibt offen. So steht der spinter beispielsweise für die Zeit zwischen »winter« und »spring« (Frühjahr) und sprummer für eine Zeit, wenn sich Sommer und Frühjahr nicht entscheiden können, wer von beiden als nächstes kommt, während der sprog mit einer Geschwindigkeit zwischen »sprint« und »jog« schon längst davongeeilt ist. Doch ist diese Liste etwas umfangreicher und bietet neben den »Inbetween«-Neologismen auch andere Beispiele englischsprachiger Wortschöpfungskunst wie den vidiot. Nur warum soll dieser Begriffsvorschlag diejenigen bezeichnen, »die nicht in der Lage sind, einen Videorekorder zu programmieren« und nicht diejenigen, die sich das Programm zur Bedienung des Gerätes ausgedacht haben, oder diejenigen, die schlechte Filme schauend vor den flimmernden Kisten auf der Couch im Wohnzimmer verblöden?

May 30, 2005

 

Stempeln

Protonym SMORP als Stempel

Installation mit 4 Protonymen

Teilnehmer der von Eberhard Ortland (Berlin) und Reinold Schmücker (Greifswald) organisierten Tagung Urheberrecht und Kunst können Protonyme von The Word Company stempeln. Vier Tage lang diskutieren Juristen, Philosophen und Künstler am ZIF (Zentrum für Interdisziplinäre Forschung) in Bielefeld über ästhetische, rechtliche, ontologische und politische Aspekte des Urheberechts.

Installationsansicht Protonyme zum Stempeln

Hier die Kurzfasssung des Tagungsprogramms:
COPYRIGHT & ART
What is the impact of copyright (and neighbouring rights) on the conditions for artistic production as well as on other art-related practices in modern societies like trading, conserving, exhibiting, performing, reproducing and distributing works of art or reproductions thereof in various media? And what is the particular relevance of art (and of aesthetic concepts, or theories of art) for copyright? Why should the dogmatics of copyright be concerned with aesthetics at all, and what function do aesthetic concepts fulfill in the conceptual structure of copyright and in the context of its legitimation? This workshop, bringing together various approaches from legal studies, economics, social and cultural studies with perspectives from philosophy, aesthetics, art criticism and artistic practice, pursues a double objective:
(1) To elucidate the impact of copyright on artistic practices and on aesthetic theories.
(2) To analyze the theoretical presuppositions about the nature of art, of artistic production and about the ontological constitution of the work of art that are implied in copyright legislations and jurisdiction -- the implicit aesthetic theory of the law.

The focus lies on copyright problems of contemporary art and on tensions between copyright and the freedom of artistic expression as well as between copyright claims and the public interest.

May 19, 2005

 

On painting

»... Turning to the number which designated the oval portrait, I there read the vague and quaint words which follow:

She was a maiden of rarest beauty, and not more lovely than full of glee. And evil was the hour when she saw, and loved, and wedded the painter. He, passionate, studious, austere, and having already a bride in his Art; she a maiden of rarest beauty, and not more lovely than full of glee; all light and smiles, and frolicsome as the young fawn; loving and cherishing all things; hating only the Art which was her rival; dreading only the pallet and brushes and other untoward instruments which deprived her of the countenance of her lover. It was thus a terrible thing for this lady to hear the painter speak of his desire to portray even his young bride. But she was humble and obedient, and sat meekly for many weeks in the dark, high turret-chamber where the light dripped upon the pale canvas only from overhead. But he, the painter, took glory in his work, which went on from hour to hour, and from day to day. And be was a passionate, and wild, and moody man, who became lost in reveries; so that he would not see that the light which fell so ghastly in that lone turret withered the health and the spirits of his bride, who pined visibly to all but him. Yet she smiled on and still on, uncomplainingly, because she saw that the painter (who had high renown) took a fervid and burning pleasure in his task, and wrought day and night to depict her who so loved him, yet who grew daily more dispirited and weak. And in sooth some who beheld the portrait spoke of its resemblance in low words, as of a mighty marvel, and a proof not less of the power of the painter than of his deep love for her whom he depicted so surpassingly well. But at length, as the labor drew nearer to its conclusion, there were admitted none into the turret; for the painter had grown wild with the ardor of his work, and turned his eyes from canvas merely, even to regard the countenance of his wife. And he would not see that the tints which he spread upon the canvas were drawn from the cheeks of her who sate beside him. And when many weeks bad passed, and but little remained to do, save one brush upon the mouth and one tint upon the eye, the spirit of the lady again flickered up as the flame within the socket of the lamp. And then the brush was given, and then the tint was placed; and, for one moment, the painter stood entranced before the work which he had wrought; but in the next, while he yet gazed, he grew tremulous and very pallid, and aghast, and crying with a loud voice, 'This is indeed Life itself!' turned suddenly to regard his beloved: -- She was dead!«

-- from: Edgar Allan Poe, The Oval Portrait

May 09, 2005

 

Dies ist kein Papst Golf

Als passende Ergänzung zu seinem Jungfrauen-Käse hat das Team vom Online-Kasino GoldenPalace.com nun auch den seit 10 Tagen durch die Presse geisternden Papst Golf ersteigert. Für 185.050,- EUR geht der Wagen, mit dem Joseph Kardinal Ratzinger vor seiner Wahl zum Papst Benedikt XVI. privat durch Rom gefahren ist, nach Amerika. Mehr als 8,4 Millionen Mal soll die Webseite mit dem angebotenen Pre-Papa-Mobil während des Auktionszeitraums aufgerufen worden sein. Schon zur Halbzeit galt der Artikel als das am häufigste aufgerufene Angebot bei eBay Deutschland.

Die Popularität des Angebots »Papst Golf« ließ andere eBay-Teilnehmer in der Headline-Gestaltung kreativ werden. Bevorzugtes Stilmittel für werbewirksame Papstheadlines war die Verneinung. »Kein Papst, kein Golf, kein TÜV«, »Peugeot 306 Cabrio Stossfänger nicht für Papst Golf«, »Gasgrill-GAZ Expert 2 (GAZ), leider kein Papst Golf«, »5 Furz Bonbons Scherzartikel nicht für Papst Golf«, »Kein Papst Golf aber eine schöne Uhr«, » Foto Joseph Ratzinger – Papst – Benedikt ohne Golf«, »SUPER KOMBIREIBE - lag nie im Golf vom Papst!!!«, »Golf GTI nicht vom Papst Ratzinger sondern vom Rentner«.

Wem der gebrauchte Wagen zu teuer ist, hat dank der Geschäftsidee eines der Anbieter die Möglichkeit, den eigenen VW Golf mittels Aufkleber aufzuwerten: »Ratzinger Golf – Autoaufkleber, Aufkleber, Papst, Golf – der Aufkleber zum Papst Golf!, Auch Ihr Golf kann ein Papst-Golf sein! Jetzt den Kult-Aufkleber bestellen.« oder sich mit einem Plotter und Klebefolien das Auto gleich selbst zu beschriften »der Papst könnte diesen Schneideplotter für sein Golf ...«

Manche Produkte scheinen erst durch die Nähe zum genannten Wagen vollkommen zu werden, so sind einige Blusen und Hemden »ideal zu tragen im Papst Golf«. Ein rhetorischer Meistergriff war diese Headline »Taschentuch. Hat es der Papst im Golf IV verloren????? – Gefunden am Petersplatz in Rom. DIE SENSATION!!!!!« Neben Automobil-Zubehör und Spielzeugautos kamen auch Dienstleistungen und immaterielle Güter in Form von Papstnamen-Domains zur Versteigerung. Gesichtsverschönerungen einerseits »Damit Sie im Papst-Golf auch richtig gut aussehen!!! Neu! Das Facelifting ohne OP und Spritze!« und Domains, die trotz großem Zukunftsversprechen auch nicht interessanter werden, andererseits »Hallo, ich biete Euch hier die einmalige Chance an, eine Domain zu erwerben, die in naher Zukunft sehr wertvoll sein wird. ...«

May 06, 2005

 

Ohr, abgeschnitten

In fünfzig Jahren wird die vernetzte Menschheit wohl glauben, dass es Leonardo da Vinci war, der sich das Ohr abschnitten hat. Vermutlich kaum jemand wird dann noch an den armen Vincent van Gogh denken, der derjenige war, der im Wahn das »Markenzeichen« vom abgeschnittenen Ohr setzte oder gesetzt haben soll. Nicht mal Umfang und Hergang der Originaltat der künstlerischen Ohramputation sind präzise überliefert. Reißerisch klingt sicherlich die bekannteste Version der Geschichte, van Gogh habe sein Ohr abgeschnitten und einer Prostituierten zum Geschenk gemacht. Wahrscheinlicher ist, dass er nur einen Teil des Ohres abtrennte, allein schon deshalb weil er sonst sicherlich verblutet wäre. Vermutet wird, dass er an der Menièrschen Erkrankung (Morbus Menière) mit Druckgefühl im Ohr, stundenlangem Drehschwindel, Erbrechen sowie zunehmender Schwerhörigkeit litt, und so im »Hörwahn« zur Klinge griff. Auch die Variante, sein Freund Paul Gaugin habe ihm im Streit mit einem Degen das Ohr schwer verletzt, ist im Umlauf.

Beim gleichen Stichwort werden die wenigsten noch an J. Paul Getty III denken, dem bei einer Entführung im Jahr 1973 das Ohr als Beweis für die Echtheit der Lösegelderpressung abgeschnitten und dem Opa per Post geschickt wurde. Der alte Getty allerdings soll immer geglaubt haben, der Enkel habe selbst zum Skalpell gegriffen bzw. greifen lassen, um dank dieser Beweismittelkraft schon frühzeitig an einen Teil der Öl-Milliarden des Getty-Imperiums zu kommen. Und wer erinnert sich noch an das auf einer Wiese liegende Ohr in dem Film Blue Velvet?

Nach dem hier im Blog von The Word Company vor drei Monaten 50 Why-Fragen aus Suchmaschinenanfragen unter dem Titel Why did Leonardo da Vinci cut his ear veröffentlicht waren, verfangen sich nun in den Logfiles immer mehr Anfragen dieser Art, alleine im Monat März gab es hierzu zehn neue Anfragevarianten.

da vinci cut ear
da vinci cut off ear
da vinci cut the ear?
da vinci ear cutting
Leonardo Da vinci and cutting off his ear
leonardo da vinci cut ear
leonardo da vinci cut ear off
Leonardo da Vinci cut off his ear
leonardo de vinci cut off ear
leonardo ear cut off

May 03, 2005

 

Kostenlose stinkende Socken zu gewinnen

Serendipity: Fetischanzeigen in den Yahoo!-Groups

»Lecke Deine Füsse!
Möchte gerne gezwungen werden, ausgiebig Deine Füsse zu lecken und Deine Zehen zu lutschen. Kannst mich gerne dazu fesseln und erst dann wieder freilassen, wenn ich Deine Füsse ausgiebig mit Zunge und Mund zu Deiner absoluten Zufriedenheit geleckt habe. Raum xxx oder weiter, wenn es sich lohnt!«

»Hallo Sklave,
der Herr erweitert seinen Sklavenstall und sucht weitere echt devote und kriechende Fußsklaven aus ganz Deutschland für extrem sadistische Dominanzspiele. Wenn Du einer mein wertloser Fußsklave werden möchtest - solltest Du Dir meine dominante Homepage mal genauer ansehen und mir eine demütige Sklavenbewerbung schreiben.«

»Kostenlose stinkende Socken zu gewinnen!
Der Herr und Fußgott vergibt jede 8 Wochen ein paar göttlich stinkende schwarze Socken (5 Tage eingetragen). Der Einsender mit der besten Sklavenbewerbung erhält diese kostenlos. Der kriechenste, schleimigste, unterwürfigste, jämmerlichste, amüsanteste, speichelleckende und aussergewöhnlichste SKLAVENBRIEF gewinnt. Das glückliche Sklavenschwein das den Hauptpreis gewinnt erhält die stinkenden Socken des Herrn (luftdicht verpackt) per Post zugeschickt. Zusätzlich wird der Herr befehlen, welche demütigende Aufgabe der Sklave mit den Socken auszuführen hat. Der Gewinner kann sich auf eine Erniedrigung ersten Grades einstellen.«

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May 02, 2005