« September 2006 | main | November 2006 »

 

Das Leben als Buße

Das 16. Jahrhundert. Du kannst dich freikaufen von deinen Sünden. Nicht mal mehr zur Beichte gehen und Abbitte leisten müssen – die Erfindung des Ablassbriefes machte alles viel einfacher für wohlhabende Sünder (und Verbrecher). Einfach ein wenig an die Kirche zahlen und schon gab es ein paar Tage Entspannung bei angesammelten Schuldgefühlen und Sorgen vor der möglichen Strafe durch eine göttliche Macht. Dann konnte weiter ausgebeutet, geschlagen, »gesündigt« werden. War der zeitlich terminierte Freibrief abgelaufen, konnte der nächste erworben werden. Die Kirche, geldgierig und machthungrig geworden, hatte ein Instrument zur Geldbeschaffung gefunden, mit dem auch der Petersdom in Rom in Teilen finanziert wurde. Der Dominikanermönch Johannes Tetzel, einer der bekanntesten Seelenheilshändler, verkaufte sogar noch Ablassbriefe für die Löschung der Sünden und Untaten verstorbener Verwandter aus dem göttlichen Sündenregister und erfand dazu vermutlich den ersten Werbeslogan: »Wenn die Münze in dem Kasten klingelt, die Seele in den Himmel springet« (zu dem es in der Überlieferung verschiedene Varianten gibt).


Eine frühe Form des Handels mit Immaterialien: Temporäre »Eintrittskarte in den Himmel« –
Sündenbefreiung für zehn Tage durch den Ablasshändler Johannes Tetzel

Continue reading »Das Leben als Buße«

 

October 31, 2006

 

Begriffe bei eBay kaufen

ebay_03.gif

ebay_04.gif

Noch immer gibt es Optimierungsbedarf für Maschinenlogik ... scheint es auf den ersten Blick. Doch vermutlich ist ein solches Ergebnis (»Begriffe günstig kaufen - Riesenauswahl zu Niedrigpreisen«) schon das Resultat einer gezielten Optimierungsstrategie, bei der über statistische Auswertungen Begriffe gesucht wurden, die von anderen nicht genutzt werden, um so mit geringsten Kosten eine breite Werbeeinblendung zu erzielen (bei der ausserdem auch nur die eigene Anzeige erscheint). Ob es überhaut noch Lexeme (und deren Pluralformen) gibt, die nicht als Trigger für Werbeeinblendungen benutzt werden?

October 16, 2006

 

Ein TWC-Projekt in der TAZ

Can't simulate freedom - die tageszeitung

 

Heute die TAZ kaufen. »die tageszeitung« von heute veröffentlichte fast alle Arbeiten von The Word Company aus dem Projekt Kann Freiheit nicht simulieren. Das Zeitungsbeitrag entstand in Zusammenarbeit mit Harald Fricke von der TAZ Kultur-Redaktion. Er schreibt dazu:

»Kunst in der taz? Das ist zunächst eine Irritation. Ganz im Sinne Hannah Arendts, der großen Philosophin, die heute 100 Jahre alt geworden wäre und in deren Denken das Unerwartbare einen festen Platz hatte. Diese Idee wird nun fortgeführt: ... Adib Fricke hat mit seiner Arbeit ... für die taz ein Dutzend Textbilder entworfen, die der Sprache Arendts auf der Spur sind ... in Nachfolge der konkreten Poesie [sind] seine Arendt-Porträts in Textform entstanden. Sie werden auch als Wandinstallation in der Ausstellung Hannah Arendt Denkraum zu sehen sein, die heute, 14.10.06, 18 Uhr, in der ehemaligen jüdischen Mädchenschule, Auguststraße 11-13, Berlin eröffnet und bis 19. November läuft.«

Mehr Details zum Projekt: Kann Freiheit nicht simulieren
More informations on the project: Can't simulate freedom

 

Continue reading »Ein TWC-Projekt in der TAZ«

 

October 14, 2006