Kann Freiheit nicht simulieren

»Hannah Arendt Denkraum«
Ehemalige Jüdische Mädchenschule
Auguststraße 11-13
Berlin-Mitte

15. Okt. – 19. Nov. 2006
Eröffnung: 14. Okt. 2006

 

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Kurzinfo zum Ausstellungsbeitrag
»Adib Fricke, The Word Company, entwickelte für die Ausstellung eine mehrteilige Textarbeit, für die er Textstücke zu zentralen Begriffen Arendts in Datenbanken mit verschiedenen Textkorpora recherchiert, diese später fragmentiert und in einem mehrstufigen Auswahlverfahren für seine Installation zusammenstellt hat. Ergebnis ist eine zufällige, zugleich an Arendt orientierte und doch subjektiv künstlerische Setzung und Formulierung.«
-- Peter Funken, Co-Kurator der Ausstellung

 

Ausstellungsankündigung
Pressetext des Kuratorenteams (Auszug)

Die Ausstellung Hannah Arendt Denkraum ist ein experimentelles Kunstprojekt, bei dem dreizehn Künstlerinnen und Künstler mit ihren Arbeiten (Installationen, Videos, bildnerischen Arbeiten und Skulpturen) den Neubeginn politischen Denkens erschließen, wie er in Hannah Arendts Werken erscheint.

Zum hundertsten Geburtstag der philosophischen Denkerin und deutschen Jüdin Hannah Arendt (1906 - 1975) am 14.Oktober 2006 wird in Berlin, der Stadt, aus der sie 1933 fliehen musste, eine Ausstellung realisiert, die Denken und Sprache Hannah Arendts würdigt und die Aktualität und Wechselwirkungen ihres literarischen, philosophischen und politischen Schaffens sichtbar macht.

In der politischen Theorie und in der Schreibwerkstatt Hannah Arendts existieren zentrale Begriffe, deren Bedeutung, Wirkung und Aktualität unübersehbar sind. Es sind dies Begriffe wie Arbeiten, Herstellen, Handeln, Denken, Verstehen und Lieben. Im Sinne Hannah Arendts verwendet, können sie auch heute dazu dienen, brennende Fragen angesichts der Krisen von Gesellschaft, Politik und Arbeitswirklichkeit zu erörtern.

Es mag vielleicht im ersten Moment ungewöhnlich erscheinen, dass sich bildende Künstlerinnen und Künstler mit einer Philosophin und Denkerin anlässlich ihres 100. Geburtstages beschäftigen und sich ihr dabei nicht biografisch, sondern mit den Mitteln und Ausdruckmöglichkeiten ihrer Kunst annähern. Hannah Arendts Denkbilder sind jedoch künstlerischen und literarischen Formen wahlverwandt. Sie dienen einem offenen, keinem System verpflichteten Denken. Hannah Arendt lehnte es ab, sich als Philosophin zu bezeichnen. Ihr Interesse galt der grundsätzlichen Fähigkeit aller, sich in einer Welt der Krisen und Umbrüche denkend und urteilend zu orientieren. »Denkbilder« waren für sie Mittel des Verstehens von Neuem.

In ihrem Denktagebuch notiert Hannah Arendt im August 1969: »Was Denken und Dichten verbindet, ist die Metapher. In der Philosophie nennt man Begriff, was in der Dichtung Metapher heißt. Das Denken schöpft aus dem Sichtbaren seine Begriffe, um das Unsichtbare zu bezeichnen.«

Arendts zentrale Themen wie »Totalitarismus«, »Krise der Arbeitsgesellschaft« oder »Die Banalität des Bösen« und »Urteilsfähigkeit« bearbeiten drängende Probleme der Gegenwart, wobei die ungewöhnliche Methode ihrer Annäherung Chancen für neue Fragen und Sichtweisen eröffnet.

Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler zeigen für den Denkraum entwickelte und ortsbezogene Kunstwerke und Installationen in Reflektion auf Hannah Arendt und die Aktualität ihres Denkens. Es geht den künstlerischen Beiträgen um eigenständige Darstellungen - nicht um Illustrierungen - der im Werk Hannah Arendts entwickelten Denkformen und Sprachbilder.

 

Teilnehmende Künstler
Tobias Hauser (Berlin),
Johan Lorbeer (Berlin),
Volker März (Berlin),
Susanne Hofer, Katrin Oettli und Sebastian Hefti (Zürich),
Thomas Hirschhorn (Aubervilliers) und Marcus Steinweg (Berlin),
Martha Rosler (New York),
Judith Siegmund (Berlin),
Parastou Forouhar (Offenbach und Teheran),
Ram Katzir (Israel und Amsterdam),
Adib Fricke (Berlin)

Kuratorenteam
Dr. Peter Funken, Kunstwissenschaftler, freier Kurator,
Dr. Wolfgang Heuer, FU Berlin, Internationale Zeitschrift HannahArendt.net,
Prof. Hermann Pfütze, Deutsche Gesellschaft für Ästhetik,
Katharina Kaiser, Haus am Kleistpark

 

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