Wörter mit doppelt r

 

Galerie Barbara Weiss, Berlin
9. Januar bis 8. Februar 2004
Ausstellungseröffnung: 9. Januar 2004, 18-20 Uhr

Zimmerstraße 88-91, D-10117 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag 11-18 Uhr

 

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Pressemitteilung

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Adib Fricke ist bekannt für seine Arbeit mit Wörtern und Sprache. 1994 gründete er The Word Company (TWC) und widmet sich seitdem inhaltlich bedeutungslosen Wortneuschöpfungen wie URTUX oder YEMMELS und aus mehreren Wörtern bestehenden Einheiten, die oft an Slogans erinnern (z.B. What You Say Is What You Give). Auf unterschiedliche Weise sorgt Fricke dafür, diese Protonyme und rhetorisch relevanten Satzstücke in bestehende kommunikative Infrastrukturen einzugliedern. Daneben übernimmt TWC auch klassische Wort- oder Namensgebungsaufträge zur Bezeichnung von Gegenständen oder Institutionen. Beispielsweise entschied sich die Stadt München mit Beginn des Jahres 2002, das Kunst-am-Bau-Programm der Stadt mit Frickes Neologismus QUIVID zu benennen.

In der Ausstellung Wörter mit doppelt r, präsentiert der Künstler einen Auszug aus seiner Sammlung anonymer Worte und Wortkombinationen, die in den letzten Monaten in Suchmaschinen im Internet eingegeben wurden. Gefunden hat er sie bei der Beobachtung der sogenannten Livesuche, welche einige Suchmaschinen anbieten, oder in den Logfiles von Köderseiten auf eigenen Webseiten. Nach einer längeren Phase der Selektion und der Sortierung zeigt der Künstler nun auf 20 partiturartig bedruckten Blättern je 38 solcher Wortkombinationen und Suchbegriffe, fein untereinander aufgelistet und getrennt nach englischer und deutscher Sprache (holzgerahmt, 89,1 x 60,3 cm). In den Galerieräumen, die durch die Ausstellung den Charakter eines Archivs erhalten haben, hängen pro Wand vier solcher Werke blockartig nebeneinander und bieten dem Betrachter jede Menge Möglichkeiten eigener Assoziationen und Fragestellungen danach, was der Suchende wohl zu finden hoffte. Jeder, der selbst mit Suchmaschinen arbeitet, weiß, dass hier nicht die Eingabe ganzer Sätze sondern nur die von Schlagworten oder Fragmenten weiterführt, und dass sich in diesen meist bereits eine Vorstellungen dessen, was man zu finden hofft, komprimiert.

Die Worte und Wortkombinationen sind so untereinander angeordnet, dass kein offensichtlicher narrativer Zusammenhang zwischen den Zeilen herzustellen ist, und dass sich vom Schriftbild her untereinander keine zu große Wiederholung der Anzahl der Worte pro Zeile ergibt; jede Nennung steht für sich und behandelt ihren eigenen Themenbereich. Die Schreibweise der Suchenden hat Fricke weitgehend übernommen, nur offensichtliche Rechtschreibfehler wurden korrigiert; logische Verknüpfer wie UND oder ODER sind versal gedruckt.

Im vergangenen Sommer zeigte Adib Fricke bereits mit Marmelade aus Mexico in den Treppenhäusern des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene der medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (Charitè) eine Serie anonymer Suchbegriffe, stufenweise ansteigend in Klebebuchstaben auf den Putz aufgetragen. Eine permanente Installation (Change something, 2001) mit Protonymen und aus Wörtern bestehenden Einheiten ist im WissenschaftsForum am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte zu sehen.

In Verbindung mit der Ausstellung bietet die Galerie zusätzlich zwei neue Editionen des Künstlers an: Die beiden TWC-Protonyme SMORP und MISPEL sind als persönliche E-Mail-Adressen erhältlich, Auflage je 30 Exemplare.

-- Barbara Buchmaier

 

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