Maulwurf
Manchmal verstehen wir das zu Grunde liegende Wort-Konzept nur noch zum Teil, wie z.B. beim Maulwurf, der »volksetymologisch« als ein Tier interpretiert wird, das mit dem »Maul« (mhd. »mul«) Erde (ahd. »molta«) nach oben »wirft«, aber eigentlich ein Haufenwerfer zu aengl. »muha, muwa« für »Haufen« ist.
Welt
Bei manchen Wörtern verstehen wir den Ursprung gar nicht mehr und nutzen die Begriffe so, wie wir sie heute für richtig halten. Die Bedeutung einzelner Wörter verschiebt sich im Laufe der Zeit, so war »Welt« als Beispiel ursprünglich eine Zusammenziehung aus »Wer« (wie in »Wer·wolf«) für »Mann, Mensch« und aus »alt« zu »Menschheit«, »Zeit«, »Alter« und bedeutete demnach eigentlich »Menschenalter«, »Menschenzeit«.
Etwas, das ist wie ein Gehirn
Fehlen passende Wortbausteine, um daraus ein einzelnes neues Wort zu bilden, so bleibt zumindest noch der Weg der Beschreibung für Erscheinungen, die anders sprachlich nicht fassbar sind, wie hier in der Umschreibung für »Computer« in Inuktitut, der Sprache der kanadischen Eskimos. Die Inuit haben, um ein Aussterben Ihrer Sprache zu verhindern, ihre Sprache mit aktuellen Bezeichnungen modernisiert, so z.B. auch »etwas, das in einer Person wächst und das man versuchen kann zu behandeln« für Krebserkrankungen.
sitt
Haben die Dinge oder Zustände keinen Namen, so suchen wir nach Begriffen, mit denen wir sie bezeichnen können. In einem Wettbewerb, 1999 von Lipton Tea (Nestlé) in Zusammenarbeit mit dem Duden-Verlag veranstaltet, wurde ein Wort für »nicht durstig« gefunden: der Wort-Vorschlag »sitt« (zu »sitt und satt«) des Schülers Jascha Froer wurde ausgewählt. Es sagt zwar heute trotzdem kaum jemand »sitt«, aber damals wurde zumindest von »Lipton« und vom »Duden« gesprochen.
Uschiglasierung, Welfenstilzchen, Rumpelfußball, Inder-Wahnsinn
Wort-Kreativität ist gefragt und wird prämiert wie hier bei »Pons Pons 2000«, dem Wettbewerb des Klett-Verlags für kreative Wortschöpfungen, der die »PONS«-Wörterbücher verlegt.
Hallo Iuma
Kreativität macht auch vor Personennamen nicht halt. Wie soll das Kind heißen? Eine zentrale Frage, mit der sich werdende Eltern befassen. Soll eine Namenstradition mit auf den Lebensweg gegeben werden? Was wird dem Kind mit dem Namenszeichen in die Wiege gelegt? Namenslexika und heutzutage auch Webseiten sollen helfen, Entscheidungen zu treffen. Das Internet-Underground-Musikarchiv iuma.com hatte ein besonderes Angebot und bot jedem Paar, das das eigene Neugeborene nach dem Unternehmen »Iuma« taufte, US$ 5.000 als Belohnung.
Ich bin der Pepsi
Andere Eltern gehen andere Wege. Jason und Frances Black aus Kalifornien versuchten das Namensrecht für Ihren am 27.7.2001 geborenen Sohn über Ebay und Yahoo an einen international tätigen Konzern für mindestens US$ 500.000 zu versteigern.
Chanel küßt DelMonte
Laut einer Studie von Cleveland Evans, Prof. für Psycholgie an der Bellevue University in Nebraska/USA, scheinen amerikansiche Eltern häufiger bekannte Marken als Namen für ihre Kinder zu wählen. Er berichtet von einer kleinen L'Oreal, einem kleinen Chevorlet und in dieser Reihe fast noch harmlos klingenden Armanis, Timberlands und Denims. Selbst unsprechbare Buchstaben-Kombinationen kommen wohl zum Einsatz, gleich zweimal sollen Kinder lebenslänglich mit dem Rufnamen ESPN (nach einem Sport-Fernsehkanal) beglückt worden sein. Die 22 Infinitis des Jahres 2003 grüßen die 49 Canons – praktisch, wenn man gleich den Namen der Kamera trägt, mit der man fotografiert werden soll.
Winner & Looser
Klassische Personennamen geben oft eine Eigenschaft oder eine Fähigkeit mit auf den Weg, betonen einen bestimmten Aspekt oder referieren auf eine historisch relevante Person: Paul – der Kleine, Regina – die Königin, Erik – der Herrscher, Brigitte – die Erhabene, Farah – glücklich sein … doch auch andere Ideen kommen zum tragen, besonders wenn keine standesamtlichen Listen die Namenswahl begrenzen. Eltern eines amerikanischen Zwillingspaars nannten den Erstgeborenen »Winner«, den Zweitgeborenen »Looser«.
Weitere Namen, die die Kinder ihren Eltern eines Tages übel nehmen werden
Alles braucht einen Namen
Alle Wörter sind öffentlich
Streit ums Wort
Mein Wort gehört mir
Sag’ besser nichts
Falsche Wörter
So muss es heißen
Mehr Wortgeschichten im Blog von The Word Company
Adib Fricke: Wem gehören die Wörter? Der Sprachraum als Eigentum, I
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